Der Bundesgerichtshof  hat entschieden, dass auch bei einer fiktiven Abrechnung von Unfallschäden in der Fahrzeugkaskoversicherung auf Gutachtenbasis unter bestimmten Voraussetzungen die Aufwendungen, die bei Durchführung der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt anfallen würden, ersatzfähig sind. Der Versicherungsnehmer muss sich von seinem Versicherer nicht in jedem Fall auf die niedrigeren Kosten einer "freien" Werkstatt verweisen lassen.
In der Kaskoversicherung sind allein die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer maßgeblich, so dass die für den Schadensersatz im Falle eines Unfalls  geltenden Regelungen nicht angewandt werden können. Die Aufwendungen für eine Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt können aber auch nach der maßgeblichen Auslegung der Versicherungsbedingungen aus Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers abhängig von den Umständen des jeweiligen Falles als "erforderliche" Kosten im Sinne der Klausel anzusehen sein. Danach kann ein Versicherungsnehmer diese Aufwendungen für eine Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt zunächst dann ersetzt verlangen, wenn nur in der Markenwerkstatt eine vollständige und fachgerechte Instandsetzung seines Fahrzeugs möglich ist. Aber auch, wenn es sich um ein neueres Fahrzeug oder um ein Fahrzeug handelt, das der Versicherungsnehmer bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen, sind von dem Versicherer die Aufwendungen für eine Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt zu ersetzen. (BGH, Urteil vom 11. November 2015,  IV ZR 426/14)

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